Der Wandel der Arbeit gilt als eine der größten Herausforderungen für die Gegenwartsgesellschaft. Zeitgenössische Kunst ist von diesem Prozess unmittelbar betroffen, da er Auswirkungen nicht nur auf Inhalte, Formen und Medien künstlerischer Arbeit hat, sondern auch neue Kontexte erschließen hilft und damit Chancen auf eine funktionale Einbindung bildender Kunst in die soziale Arbeitswelt eröffnet. Geometrie der Arbeit ist ein mehrstufiges Projekt des Studiengangs Kunstpädagogik/Kunsterziehung der Burg Giebichenstein Hochschule für Kunst und Design Halle, in dem sowohl künstlerische Recherche– und Reflexionsprozesse zur Heterogenität des gegenwärtigen Arbeitsbegriffs und dessen unterschiedlichen Erscheinungsformen vorgestellt, als auch künstlerische Transferprojekte in konkreten Arbeitsmilieus dokumentiert und in Zusammenhang mit einem Symposium in der Galerie für Zeitgenössische Kunst Leipzig in ihrer soziologischen, kunsttheoretischen und ökonomischen Perspektive diskutiert werden.
Herausgegeben von
Una H. Moehrke
Magdalena Drebber
Joachim Penzel
Gestaltet von Ivo Wojcik
Bestellen kann man das Buch zum Beispiel hier bei Amazon oder sicherlich auch in der Bibliothek im Weißen Haus direkt kaufen. Ich hatte es leider noch nicht in der Hand, es sieht aber vielversprechend aus und wenn ich es bekommen sollte, folgt noch ein inhaltlicher Review.






















8 Comments
Respektchen!
als teilnehmender erlaub ich mir mal ne harschere kritik als die üblich-diplomatische lobhudelei.
also, formal ist es — ohne frage — ein gelungenes pressepräsentierstück. inhaltlich bin ich genauso schlau nach (immerhin) zwei-jähriger projektdauer wie zu beginn: arbeit, worum es ja nun mal geht, ist als phänomen (inhaltlich, also sozial, ökonomisch, politisch, geschichtlich, … wie mans auch nimmt) nicht geklärt, geschweige denn (das das große rätsel dieses projekt und vor allem der finalen behauptung) ist durch künstlerischer praktiken eine alternative entwickelt worden. ›arbeit‹ mit seinen unzähligen verklärungen wurde nur um weitere etagen aufgestockt und diffuser gemacht. ›arbeit‹ hier wurde zurecht gebogen und ästhetisiert und (vornehmlich der das ›großprojekt‹ abschließende aufsatz von dr. penzel)die künstlerische arbeit unverhohlen — unter dem deckmantel der wissenschaft (jedoch in jedem einzelnen schritt respektabel unwissenschaftlich!!) — einer liberalen ökonomie gemäß (vermeintlich) plausibelisiert, eigentlich aber stillschweigend affirmiert.
es ist ein graus — leider -, dass zwei jahre reflexion zu nichts eigentlichem vorgestoßen sind. dem alten problem arbeit wurde hinterhergekrittelt, unwohlsein bezeugt, aber letztlich doch recht gegeben. es hat sich wieder bewahrheitet: der deutsche geist will frei sein von der politik. aber bitteschön: schön mitmischen. und das am besten zwischen zwei buchdeckeln.
also: bitte, spart euch das geld, geht lieber ein eis essen. gebt der bedienung trinkgeld. oder kauft euch eine brecht-ausgabe. da lernt man allemal mehr über die arbeit und die muße des bürgers, sich diese als wohlbegründet zurecht zu legen, als in diesem ambitionierten katalog.
Hallo Steffen,
sehr cool, dass es mit Deinem Kommentar endlich eine Stimme gibt, die etwas »Insider-Wissen« aus dem Projekt anbietet. Ich gebe zu: Der Klappentext auf der Rückseite des Buches ist tatsächlich so ambitioniert (lies: schwurbelig) geschrieben, dass auch bei mir der Verdacht nicht ausbleibt: Hier wird vielleicht weniger ausgesagt, als die kunstvoll verschlungenen Sätze nahelegen?
Somit bestätigt Deine deutliche Warnung zwar meinen ersten Eindruck – der nicht stimmen musss – und ich find’s voll in Ordnung, ja lustig, wenn mal einer gefplegt auf den Tisch haut.
Ich hätte mich aber eine etwas speziellere Kritik, vielleicht an Beispielen aus dem umfangreichen Projekt gefreut. Ohne selbst das Buch zu lesen – wovon Du dringends abrätst – kann ich mit Kritikpunkten wie diesem nicht viel anfangen:
»Die künstlerische arbeit (wird) unverhohlen – unter dem deckmantel der wissenschaft (jedoch in jedem einzelnen schritt respektabel unwissenschaftlich!!) – einer liberalen ökonomie gemäß (vermeintlich) plausibelisiert, eigentlich aber stillschweigend affirmiert.»
Da würdest Du wahrscheinlich nicht nur mir helfen, wenn Du das nochmal auf den Punkt bringst – mit nem Beispiel oder Zitat, wenn’s geht.
Ich hoffe, das ich den richtigen Ton treffe, ich will mich hier nicht aufspielen, oder so. Ich finds absolut in Ordnung, dass Du Dir Luft machst – ich würd nur gerne Deine Kritik besser verstehen. Denn das Thema finde ich sehr interessant. Zufällig hab ich selbst heute von Guillaume Paoli wieder »Du bist nicht allein, Sklave« in der Hand gehabt ( http://www.diegluecklichenarbe.….sklave.htm ).
Besonders interessant an meiner Druckausgabe finde ich aber, und darum bring ich das hier, den Klappentext: »Abgesehen davon, dass die hier durchklingende Kunstfeindlichkeit, der Anti-PC-Gestus und die latente Homophobie auf einen Standpunkt verweisen, der unter Kritik versteht, als totalitär interpretierte Zustände möglichst stachlig und kabarettnah anzuprangern, bedient sich Paoli beim Jargon einer Gegenmoderne, die ihr Recht auf die Pose der Illusionslosigkeit traditionell von der Verachtung der »Zeitgenossen« bezieht.»
– Also, was wär’s denn, dass sich lohnen würde, zwischen zwei Buchdeckeln (oder zwischen zwei bookmarks) zu sagen über Euer Projekt?
Grüße aus dem faulen Freitag!
Es scheint ja gerade im Trend zu liegen alles was man macht mit »Research« und/oder »Forschung« zu überschreiben. Und wenn es dabei um Kunst oder Design geht, dann schlagen die Wissenschaftler immer die Hände über dem Kopf zusammen. Was ich bisher gehört habe klingt ungefähr so, dass die Künstler oft nicht wirklich an einer wissenschaftlichen Methode interessiert sind und die »echten Forscher« genau das bemängeln :>
Für mich stellt sich da immer die Frage, kann man Kunst wirklich wissenschaftlich erforschen. Muss man nicht Kunst machen um mehr über Kunst zu erfahren?
Muss man nicht Arbeiten, um mehr über Arbeit zu erfahren? Habt ihr das nicht gemacht? Sollte ein Buch von Künstlern nicht auch ein wenig unwissenschaftlich sein?
Vielleicht kommt es dir nur so vor, als hättest du nichts gelernt, für Aussenstehende könnte das Buch aber eine Bereicherung sein?
Aber was rede ich, ich muss es echt/erst mal lesen.
Hey. vielen dank für die reaktionen.
David, ich beziehe mich in dem von dir zitierten Teil meines ersten Blog-Eintrages auf den Artikel von Dr. Penzel. Ich habe dazu letzten Monat eine sehr detaillierte Kritik geschrieben, die ich jedoch ausschließlich den Beteiligten (Studenten wie Lehrende) des Projektes geschickt habe. Eine Reaktion von den Studierenden ist bisher — erstaunlicherweise oder nicht — ausgeblieben. Einzig Dr. Penzel hat reagiert, erbat sich aber, dass ich seine Mail nicht veröffentliche.
Wenn du an dieser Kritik interessiert bist, schreib mir ne Mail, dann attache ich meine Replik (steffenhendel@yahoo.de). (Gut wäre es aber allemal, wenn man den Penzel-Aufsatz davor schon genau gelesen hat. )
zu Paoli: der klappentext erscheint mir eher eine stilistische Kritik zu sein, sagt mir erst einmal nicht viel über den Inhalt. Was allerdings deutlich wird: seine Methode. Er scheint (wie gesagt: nur nach der Lektüre des Klappentextes) ein Freund der Dekonstruktion zu sein und ein Kritiker der bürgerlichen, spätkapital. Kultur — und somit dem nicht unähnlich, was ich wünsche…
zu Christoph: der Anspruch von z.B. Penzels Text ist NICHT der, ein Kunstwerk gemacht zu haben, sondern der der Wissenschaftlichkeit. Und dem wird er nicht gerecht — nicht nur meiner subjektiven ›Meinung‹ nach, sondern aus ganz vernünftigen, logischen, argumentativen=also einsichtigen, überindividuellen Gründen. Also kann man diesen zumindest an seinem Anspruch messen und glasklar beurteilen. Abgesehen davon: alles was man hört, sollte man getrost auf seine Plausibilität prüfen, im Alltag wie im Buch, das bringt Durchblick!
Ob Kunst unwissenschaftlich sein könne bzw. darf? naja… natürlich. aber ich finde, es ist eine beliebte Entschuldigung, sich als Künstler zwar überall einmischen zu wollen (etwa in die Diskussion um das Wesen und die Zukunft der Arbeit), Innovationsgehabe hinzulegen und von allen Seiten dafür Lobhudelei einzufordern — aber wenn man inhaltlich mal begutachtet, was entstanden ist (sonst wär das Projekt ja überflüssig und beliebig und hätt gar nich erst stattgefunden) und was als ›geistiger Ertrag‹ herauskommt, beruft man sich mit großem Gestus auf die Freiheit der Kunst. Aha. Da, man merkt es, liegt im (an die Kunst ja ganz allgemeinem Verfahren und nichts Typisches für die Burg) was quer. Nochmal in Kürze: wer inhaltlich arbeiten will, muss sich an inhaltlicher Konsistenz und am inhaltlichen Ertrag messen lassen. und immerhin handelt es sich um eine Hochschulveröffentlichung. wo denn Inhalt, wenn nicht hier?
Und ja, Kunst kann man wissenschaftlich erforschen. Sonst gäbe es keine Kunstwissenschaften, keine Theaterwissenschaften, keine Germanistik, Musikwissenschaft usw. usf.
(dass der Künstler das bezweifelt, steht auf nem andernen Blatt und hat was mit einem emotionalen Problem zu tun als mit einem sachlichen.)
und klar. das buch könnte für Außenstehende eine Bereicherung sein, keine Frage. Für uns Teilnehmende war es ja auch eine. Für mich aber nur eine anekdotische und eine praktische Erfahrung (und ja, es hat auch sehr viel Spaß gemacht und ich habe sehr sehr gerne mit einigen Kommilitonen und Lehrenden (Fr. Drebber!) zusammen gearbeitet). Inhaltlich — wie gesagt, das der Anspruch des Buches — sehe ich keine ›Bereicherung‹ zum Stand der Allgemeinplätze von vor Jahrzehnten — außer einen quantitativen. Eher (zu Penzel zurück) eine gefährliche Tendenz, unter der Flagge der künstlerischen Elite den kritischen Geist zu verabschieden und dabei sehr kritikable politische Zustände (denn ›Arbeit‹ ist alles andere als ne Privatangelegenheit) nicht mehr verstehen, aber ›dekorieren‹ zu wollen und sich somit mit ihnen arrangieren.
wie auch immer.
ein weites feld.
gruß.
Nachtrag, n kleiner nur.
nämlich zu Guillaume Paoli’s „Du bist nicht allein, Sklave“. dank der neuerlichen verlinkung konnt ichs endlich mal lesen.
nun david, für dich:
was paoli als neue entwicklung des menschen hin zum sklaven, denn objekt der konsumption, darstellt, ist keine neue. sondern eine die man schon in marx‹ kapital I (irgendwann 1860) nachlesen kann. die logik der quasi-versklavung lag schon immer im kapitalismus: den menschen (und nun der bogen zur –MEINES erachtens– wenig inhaltlich ertragreichen reflexion innerhalb des arbeit-projekts der kunst-päd-klassen)… also: den menschen hat es noch nie zugestanden, sich ›frei‹ in sein (!!) arbeitsverhältnis zu fügen. arbeit wird gemeinhin als das dargestellt, worin der mensch angeblich zu sich käme, was ihm ›eigentlich‹ entspreche, wo er ›arbeitend‹ erst mensch sein darf. komisch, dass dieser mensch davon im alltag eher das gegenteil erfährt: erpressung zum geldverdienen durch geldwirtschaft und staat und ›besitzer der produktionsmittel‹ und den wunsch, nicht etwa zu arbeiten, sondern zu ruhen und zu genießen. also: versklavung bzw. waren-wesen des menschen: nix neues.
zweites argument Paolis: herrschaft gäbe es nicht mehr. naja. als ob steuer, meldepflicht, staatsangehörigkeit, schulpflicht, zwang am geldverkehr teilzunehmen, geld haben zu müssen, arbeit haben zu müssen etc pp keine zwänge wären — die zur not auch noch polizeilich durchgesetzt werden. dass herrschaft an personen gekoppelt sein muss, dass ist ein nie dagewesenes konzept. immer waren könige, päpste etc pp nur repräsentanten von gewalt. wie der kanzler. nur die herleitungen der herrschaft, die haben sich verändert (einst gott, dann geschichtlicher od. rass. telos, heute demokratisierung und fortschritt. alles konstruktionen zugunsten des herrschens und des sich-beherrschen-lassen-wollens!!)
beides zusammen: das der mensch sein ›selbst‹ verlieren würde, stattdessen sich als ware begreift und sich selbst als solche attraktiv macht — ist ein alter schluss und hat schon oft (klarer geschrieben, ordentlicher hergeleitet, besser gedacht) in büchern gestanden.
was folgend bei paoli kommt, sind kaum ordentliche analysen dessen, was mit big-brother passiert, als vielmehr assoziationen, die (1) weder zwangsläufig sind und (2) genauso gegenteiliges des von ihm gesagten belegen könnten. wenn man es wohlwollend lesen will, dann kann man claude levi-strauss zitieren, der meinte, dass jede untersuchung (zumal eine ethnologische) mit einer anekdote anfangen solle.
:-(
wie weiter?
Steffen,
sei mir nicht böse, aber ich hab grad nur die Zeit für einen freundlichen Gruß – vielleicht laufen wir uns mal über den Weg und haben beide Muße, das nochmal aufzurollen.
Bis dahin alles Gute,
David
meinetwegen. aber nur bei nem guten getränk. und sitzend.
:-/
gruß auch.