Geometrie der Arbeit – Transfer von Kunst in gesellschaftliche Funktionsbereiche

Der Wandel der Arbeit gilt als eine der größten Her­aus­for­de­rungen für die Gegen­warts­ge­sell­schaft. Zeit­ge­nös­si­sche Kunst ist von diesem Pro­zess unmit­telbar betroffen, da er Aus­wir­kungen nicht nur auf Inhalte, Formen und Medien künst­le­ri­scher Arbeit hat, son­dern auch neue Kon­texte erschließen hilft und damit Chancen auf eine funk­tio­nale Ein­bin­dung bil­dender Kunst in die soziale Arbeits­welt eröffnet. Geo­me­trie der Arbeit ist ein mehr­stu­figes Pro­jekt des Stu­di­en­gangs Kunstpädagogik/​Kunsterziehung der Burg Gie­bi­chen­stein Hoch­schule für Kunst und Design Halle, in dem sowohl künst­le­ri­sche Recherche– und Refle­xi­ons­pro­zesse zur Hete­ro­ge­nität des gegen­wär­tigen Arbeits­be­griffs und dessen unter­schied­li­chen Erschei­nungs­formen vor­ge­stellt, als auch künst­le­ri­sche Trans­fer­pro­jekte in kon­kreten Arbeits­mi­lieus doku­men­tiert und in Zusam­men­hang mit einem Sym­po­sium in der Galerie für Zeit­ge­nös­si­sche Kunst Leipzig in ihrer sozio­lo­gi­schen, kunst­theo­re­ti­schen und öko­no­mi­schen Per­spek­tive dis­ku­tiert werden.

Her­aus­ge­geben von
Una H. Moehrke
Mag­da­lena Drebber
Joa­chim Penzel

Gestaltet von Ivo Wojcik

Bestellen kann man das Buch zum Bei­spiel hier bei Amazon oder sicher­lich auch in der Biblio­thek im Weißen Haus direkt kaufen. Ich hatte es leider noch nicht in der Hand, es sieht aber viel­ver­spre­chend aus und wenn ich es bekommen sollte, folgt noch ein inhalt­li­cher Review.

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8 Comments

  1. David
    Erstellt am 27. August 2008 um 10:21 | Permanent-Link

    Respekt­chen!

  2. steffen
    Erstellt am 28. August 2008 um 20:42 | Permanent-Link

    als teil­neh­mender erlaub ich mir mal ne har­schere kritik als die üblich-​diplomatische lobhudelei.

    also, formal ist es — ohne frage — ein gelun­genes pres­se­prä­sen­tier­stück. inhalt­lich bin ich genauso schlau nach (immerhin) zwei-​jähriger pro­jekt­dauer wie zu beginn: arbeit, worum es ja nun mal geht, ist als phä­nomen (inhalt­lich, also sozial, öko­no­misch, poli­tisch, geschicht­lich, … wie mans auch nimmt) nicht geklärt, geschweige denn (das das große rätsel dieses pro­jekt und vor allem der finalen behaup­tung) ist durch künst­le­ri­scher prak­tiken eine alter­na­tive ent­wi­ckelt worden. ›arbeit‹ mit seinen unzäh­ligen ver­klä­rungen wurde nur um wei­tere etagen auf­ge­stockt und dif­fuser gemacht. ›arbeit‹ hier wurde zurecht gebogen und ästhe­ti­siert und (vor­nehm­lich der das ›groß­pro­jekt‹ abschlie­ßende auf­satz von dr. penzel)die künst­le­ri­sche arbeit unver­hohlen — unter dem deck­mantel der wis­sen­schaft (jedoch in jedem ein­zelnen schritt respek­tabel unwis­sen­schaft­lich!!) — einer libe­ralen öko­nomie gemäß (ver­meint­lich) plau­si­be­li­siert, eigent­lich aber still­schwei­gend affirmiert.

    es ist ein graus — leider -, dass zwei jahre refle­xion zu nichts eigent­li­chem vor­ge­stoßen sind. dem alten pro­blem arbeit wurde hin­ter­her­ge­krit­telt, unwohl­sein bezeugt, aber letzt­lich doch recht gegeben. es hat sich wieder bewahr­heitet: der deut­sche geist will frei sein von der politik. aber bit­te­schön: schön mit­mi­schen. und das am besten zwi­schen zwei buchdeckeln.

    also: bitte, spart euch das geld, geht lieber ein eis essen. gebt der bedie­nung trink­geld. oder kauft euch eine brecht-​ausgabe. da lernt man allemal mehr über die arbeit und die muße des bür­gers, sich diese als wohl­be­gründet zurecht zu legen, als in diesem ambi­tio­nierten katalog.

  3. David Fichtmüller
    Erstellt am 29. August 2008 um 12:56 | Permanent-Link

    Hallo Steffen,

    sehr cool, dass es mit Deinem Kom­mentar end­lich eine Stimme gibt, die etwas »Insider-​Wissen« aus dem Pro­jekt anbietet. Ich gebe zu: Der Klap­pen­text auf der Rück­seite des Buches ist tat­säch­lich so ambi­tio­niert (lies: schwur­belig) geschrieben, dass auch bei mir der Ver­dacht nicht aus­bleibt: Hier wird viel­leicht weniger aus­ge­sagt, als die kunst­voll ver­schlun­genen Sätze nahelegen?

    Somit bestä­tigt Deine deut­liche War­nung zwar meinen ersten Ein­druck – der nicht stimmen musss – und ich find’s voll in Ord­nung, ja lustig, wenn mal einer gefplegt auf den Tisch haut.
    Ich hätte mich aber eine etwas spe­zi­el­lere Kritik, viel­leicht an Bei­spielen aus dem umfang­rei­chen Pro­jekt gefreut. Ohne selbst das Buch zu lesen – wovon Du drin­gends abrätst – kann ich mit Kri­tik­punkten wie diesem nicht viel anfangen:
    »Die künst­le­ri­sche arbeit (wird) unver­hohlen – unter dem deck­mantel der wis­sen­schaft (jedoch in jedem ein­zelnen schritt respek­tabel unwis­sen­schaft­lich!!) – einer libe­ralen öko­nomie gemäß (ver­meint­lich) plau­si­be­li­siert, eigent­lich aber still­schwei­gend affir­miert.»
    Da wür­dest Du wahr­schein­lich nicht nur mir helfen, wenn Du das nochmal auf den Punkt bringst – mit nem Bei­spiel oder Zitat, wenn’s geht.

    Ich hoffe, das ich den rich­tigen Ton treffe, ich will mich hier nicht auf­spielen, oder so. Ich finds absolut in Ord­nung, dass Du Dir Luft machst – ich würd nur gerne Deine Kritik besser ver­stehen. Denn das Thema finde ich sehr inter­es­sant. Zufällig hab ich selbst heute von Guil­laume Paoli wieder »Du bist nicht allein, Sklave« in der Hand gehabt ( http://www.diegluecklichenarbe.….sklave.htm ).
    Beson­ders inter­es­sant an meiner Druck­aus­gabe finde ich aber, und darum bring ich das hier, den Klap­pen­text: »Abge­sehen davon, dass die hier durch­klin­gende Kunst­feind­lich­keit, der Anti-​PC-​Gestus und die latente Homo­phobie auf einen Stand­punkt ver­weisen, der unter Kritik ver­steht, als tota­litär inter­pre­tierte Zustände mög­lichst stachlig und kaba­rettnah anzu­pran­gern, bedient sich Paoli beim Jargon einer Gegen­mo­derne, die ihr Recht auf die Pose der Illu­si­ons­lo­sig­keit tra­di­tio­nell von der Ver­ach­tung der »Zeit­ge­nossen« bezieht.»
    – Also, was wär’s denn, dass sich lohnen würde, zwi­schen zwei Buch­de­ckeln (oder zwi­schen zwei book­marks) zu sagen über Euer Projekt?

    Grüße aus dem faulen Freitag!

  4. Erstellt am 29. August 2008 um 14:37 | Permanent-Link

    Es scheint ja gerade im Trend zu liegen alles was man macht mit »Rese­arch« und/​oder »For­schung« zu über­schreiben. Und wenn es dabei um Kunst oder Design geht, dann schlagen die Wis­sen­schaftler immer die Hände über dem Kopf zusammen. Was ich bisher gehört habe klingt unge­fähr so, dass die Künstler oft nicht wirk­lich an einer wis­sen­schaft­li­chen Methode inter­es­siert sind und die »echten For­scher« genau das bemän­geln :>

    Für mich stellt sich da immer die Frage, kann man Kunst wirk­lich wis­sen­schaft­lich erfor­schen. Muss man nicht Kunst machen um mehr über Kunst zu erfahren?
    Muss man nicht Arbeiten, um mehr über Arbeit zu erfahren? Habt ihr das nicht gemacht? Sollte ein Buch von Künst­lern nicht auch ein wenig unwis­sen­schaft­lich sein?
    Viel­leicht kommt es dir nur so vor, als hät­test du nichts gelernt, für Aus­sen­ste­hende könnte das Buch aber eine Berei­che­rung sein?

    Aber was rede ich, ich muss es echt/​erst mal lesen.

  5. steffen
    Erstellt am 30. August 2008 um 23:12 | Permanent-Link

    Hey. vielen dank für die reaktionen.

    David, ich beziehe mich in dem von dir zitierten Teil meines ersten Blog-​Eintrages auf den Artikel von Dr. Penzel. Ich habe dazu letzten Monat eine sehr detail­lierte Kritik geschrieben, die ich jedoch aus­schließ­lich den Betei­ligten (Stu­denten wie Leh­rende) des Pro­jektes geschickt habe. Eine Reak­tion von den Stu­die­renden ist bisher — erstaun­li­cher­weise oder nicht — aus­ge­blieben. Einzig Dr. Penzel hat rea­giert, erbat sich aber, dass ich seine Mail nicht ver­öf­fent­liche.
    Wenn du an dieser Kritik inter­es­siert bist, schreib mir ne Mail, dann attache ich meine Replik (steffenhendel@yahoo.de). (Gut wäre es aber allemal, wenn man den Penzel-​Aufsatz davor schon genau gelesen hat. )
    zu Paoli: der klap­pen­text erscheint mir eher eine sti­lis­ti­sche Kritik zu sein, sagt mir erst einmal nicht viel über den Inhalt. Was aller­dings deut­lich wird: seine Methode. Er scheint (wie gesagt: nur nach der Lek­türe des Klap­pen­textes) ein Freund der Dekon­struk­tion zu sein und ein Kri­tiker der bür­ger­li­chen, spät­ka­pital. Kultur — und somit dem nicht unähn­lich, was ich wünsche…

    zu Chris­toph: der Anspruch von z.B. Pen­zels Text ist NICHT der, ein Kunst­werk gemacht zu haben, son­dern der der Wis­sen­schaft­lich­keit. Und dem wird er nicht gerecht — nicht nur meiner sub­jek­tiven ›Mei­nung‹ nach, son­dern aus ganz ver­nünf­tigen, logi­schen, argumentativen=also ein­sich­tigen, über­in­di­vi­du­ellen Gründen. Also kann man diesen zumin­dest an seinem Anspruch messen und glas­klar beur­teilen. Abge­sehen davon: alles was man hört, sollte man getrost auf seine Plau­si­bi­lität prüfen, im Alltag wie im Buch, das bringt Durch­blick!
    Ob Kunst unwis­sen­schaft­lich sein könne bzw. darf? naja… natür­lich. aber ich finde, es ist eine beliebte Ent­schul­di­gung, sich als Künstler zwar überall ein­mi­schen zu wollen (etwa in die Dis­kus­sion um das Wesen und die Zukunft der Arbeit), Inno­va­ti­ons­ge­habe hin­zu­legen und von allen Seiten dafür Lob­hu­delei ein­zu­for­dern — aber wenn man inhalt­lich mal begut­achtet, was ent­standen ist (sonst wär das Pro­jekt ja über­flüssig und beliebig und hätt gar nich erst statt­ge­funden) und was als ›geis­tiger Ertrag‹ her­aus­kommt, beruft man sich mit großem Gestus auf die Frei­heit der Kunst. Aha. Da, man merkt es, liegt im (an die Kunst ja ganz all­ge­meinem Ver­fahren und nichts Typi­sches für die Burg) was quer. Nochmal in Kürze: wer inhalt­lich arbeiten will, muss sich an inhalt­li­cher Kon­sis­tenz und am inhalt­li­chen Ertrag messen lassen. und immerhin han­delt es sich um eine Hoch­schul­ver­öf­fent­li­chung. wo denn Inhalt, wenn nicht hier?
    Und ja, Kunst kann man wis­sen­schaft­lich erfor­schen. Sonst gäbe es keine Kunst­wis­sen­schaften, keine Thea­ter­wis­sen­schaften, keine Ger­ma­nistik, Musik­wis­sen­schaft usw. usf.
    (dass der Künstler das bezwei­felt, steht auf nem andernen Blatt und hat was mit einem emo­tio­nalen Pro­blem zu tun als mit einem sach­li­chen.)
    und klar. das buch könnte für Außen­ste­hende eine Berei­che­rung sein, keine Frage. Für uns Teil­neh­mende war es ja auch eine. Für mich aber nur eine anek­do­ti­sche und eine prak­ti­sche Erfah­rung (und ja, es hat auch sehr viel Spaß gemacht und ich habe sehr sehr gerne mit einigen Kom­mi­li­tonen und Leh­renden (Fr. Drebber!) zusammen gear­beitet). Inhalt­lich — wie gesagt, das der Anspruch des Buches — sehe ich keine ›Berei­che­rung‹ zum Stand der All­ge­mein­plätze von vor Jahr­zehnten — außer einen quan­ti­ta­tiven. Eher (zu Penzel zurück) eine gefähr­liche Ten­denz, unter der Flagge der künst­le­ri­schen Elite den kri­ti­schen Geist zu ver­ab­schieden und dabei sehr kri­ti­kable poli­ti­sche Zustände (denn ›Arbeit‹ ist alles andere als ne Pri­vat­an­ge­le­gen­heit) nicht mehr ver­stehen, aber ›deko­rieren‹ zu wollen und sich somit mit ihnen arrangieren.

    wie auch immer.
    ein weites feld.
    gruß.

  6. steffen
    Erstellt am 30. November 2008 um 18:16 | Permanent-Link

    Nach­trag, n kleiner nur.
    näm­lich zu Guil­laume Paoli’s „Du bist nicht allein, Sklave“. dank der neu­er­li­chen ver­lin­kung konnt ichs end­lich mal lesen.

    nun david, für dich:

    was paoli als neue ent­wick­lung des men­schen hin zum sklaven, denn objekt der kon­sump­tion, dar­stellt, ist keine neue. son­dern eine die man schon in marx‹ kapital I (irgend­wann 1860) nach­lesen kann. die logik der quasi-​versklavung lag schon immer im kapi­ta­lismus: den men­schen (und nun der bogen zur –MEINES erach­tens– wenig inhalt­lich ertrag­rei­chen refle­xion inner­halb des arbeit-​projekts der kunst-​päd-​klassen)… also: den men­schen hat es noch nie zuge­standen, sich ›frei‹ in sein (!!) arbeits­ver­hältnis zu fügen. arbeit wird gemeinhin als das dar­ge­stellt, worin der mensch angeb­lich zu sich käme, was ihm ›eigent­lich‹ ent­spreche, wo er ›arbei­tend‹ erst mensch sein darf. komisch, dass dieser mensch davon im alltag eher das gegen­teil erfährt: erpres­sung zum geld­ver­dienen durch geld­wirt­schaft und staat und ›besitzer der pro­duk­ti­ons­mittel‹ und den wunsch, nicht etwa zu arbeiten, son­dern zu ruhen und zu genießen. also: ver­skla­vung bzw. waren-​wesen des men­schen: nix neues.
    zweites argu­ment Paolis: herr­schaft gäbe es nicht mehr. naja. als ob steuer, mel­de­pflicht, staats­an­ge­hö­rig­keit, schul­pflicht, zwang am geld­ver­kehr teil­zu­nehmen, geld haben zu müssen, arbeit haben zu müssen etc pp keine zwänge wären — die zur not auch noch poli­zei­lich durch­ge­setzt werden. dass herr­schaft an per­sonen gekop­pelt sein muss, dass ist ein nie dage­we­senes kon­zept. immer waren könige, päpste etc pp nur reprä­sen­tanten von gewalt. wie der kanzler. nur die her­lei­tungen der herr­schaft, die haben sich ver­än­dert (einst gott, dann geschicht­li­cher od. rass. telos, heute demo­kra­ti­sie­rung und fort­schritt. alles kon­struk­tionen zugunsten des herr­schens und des sich-​beherrschen-​lassen-​wollens!!)
    beides zusammen: das der mensch sein ›selbst‹ ver­lieren würde, statt­dessen sich als ware begreift und sich selbst als solche attraktiv macht — ist ein alter schluss und hat schon oft (klarer geschrieben, ordent­li­cher her­ge­leitet, besser gedacht) in büchern gestanden.
    was fol­gend bei paoli kommt, sind kaum ordent­liche ana­lysen dessen, was mit big-​brother pas­siert, als viel­mehr asso­zia­tionen, die (1) weder zwangs­läufig sind und (2) genauso gegen­tei­liges des von ihm gesagten belegen könnten. wenn man es wohl­wol­lend lesen will, dann kann man claude levi-​strauss zitieren, der meinte, dass jede unter­su­chung (zumal eine eth­no­lo­gi­sche) mit einer anek­dote anfangen solle.
    :-(

    wie weiter?

  7. David
    Erstellt am 30. November 2008 um 22:27 | Permanent-Link

    Steffen,

    sei mir nicht böse, aber ich hab grad nur die Zeit für einen freund­li­chen Gruß – viel­leicht laufen wir uns mal über den Weg und haben beide Muße, das nochmal aufzurollen.

    Bis dahin alles Gute,
    David

  8. steffen
    Erstellt am 16. Dezember 2008 um 16:27 | Permanent-Link

    mei­net­wegen. aber nur bei nem guten getränk. und sit­zend.
    :-/

    gruß auch.

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