»Kunstbegriff« von Nicolas Schröter

Der vor­lie­gende Text fasst meinen per­sön­li­chen Kunst­be­griff. Obwohl ich meine Thesen auf Grund reif­li­cher Über­le­gungen for­mu­liert habe, soll und kann damit kein Anspruch auf All­ge­mein­gül­tig­keit ver­bunden sein.
Viel­mehr wird der Leser dieses Textes aus­drück­lich dazu auf­ge­for­dert, sich kri­tisch zu äußern: Meine Thesen sollen abge­lehnt, kom­men­tiert, bestritten, ange­zwei­felt, wider­legt, befür­wortet werden.
Hierbei ist die per­sön­liche Mei­nung gefragt! Ein­wände und Kom­men­tare können vor Ort, in der Biblio­thek der Burg Gie­bi­chen­stein, Hoch­schule für Kunst und Design auf einer Schreib­ma­schine oder hand­schrift­lich, gerne auch per E-​Mail, abge­geben werden. Ich möchte alle Kom­men­tare zusam­men­tragen: Nach Ablauf der Aus­stel­lungs­dauer soll ein Manu­skript ent­stehen, in dem der Dis­kurs um den Kunst­be­griff fest­ge­halten wird. Dieses Manu­skript soll in Buch­form in der Biblio­thek und im Internet zugäng­lich gemacht werden.

Kunst­be­griff

Kunst kann alles, Kunst darf alles.
’Kunst‹ meint einen Pro­zess,
der ein Moment der ›Kunst‹ einlöst.

  1. ›Kunst‹ kann immer dort ent­stehen, wo Kunst­schaf­fende beson­dere Gegen­stände anfer­tigen oder beson­dere Umstände her­bei­führen. Kunst­schaf­fende sind tätige mensch­liche Indi­vi­duen und dürfen alle prak­ti­schen – abbil­denden, gegen­ständ­li­chen, akus­ti­schen usw. — Mittel ver­wenden. Hiervon sollen alle Hand­lungen, durch die ein mensch­li­ches Leben geschä­digt oder gefährdet wird oder werden könnte, aus­ge­nommen werden. Auch Tiere und Pflanzen sollen nicht unnötig geschä­digt werden.
  2. ›Kunst‹ kann immer dort ent­stehen, wo durch Kunst­schaf­fende ange­fer­tigte Gegen­stände und oder her­bei­ge­führte Umstände durch Rezi­pi­enten wahr­ge­nommen und reflek­tiert werden. Nur dann, wenn Rezi­pi­enten durch Refle­xion das Moment der ›Kunst‹ ein­lösen, können Kunst­schaf­fende ›Künstler‹ genannt werden.
  3. Die Bezeich­nung ›Kunst­schaf­fende‹ ver­weist auf den Pro­zess; ›Künst­lerIn‹ hin­gegen ist zum bloßen Titel ver­kommen, der über das Poten­tial der Kunst­schaf­fenden zur ›Kunst‹ nichts aus­sagt: Kunst­schaf­fende stehen ihrer Kunst gegen­über und sind von ihr deut­lich unter­schieden: Iden­tität zwi­schen beiden ist aus­ge­schlossen. Kunst­schaf­fende sind nie­mals selbst allein ›Kunst‹, denn ›Kunst‹ meint immer einen Pro­zess der Ver­mitt­lung zwi­schen Kunst­schaf­fenden – über die ange­fer­tigten Gegen­stände und/​oder her­bei­ge­führten Umstände – mit wahr­neh­menden Rezi­pi­enten. Kunst­schaf­fende sollen sich mit ›Kunst‹ nicht pro­fi­lieren, denn das wäre ein Miss­brauch. Sie sollen sie gewis­sen­haft gebrau­chen, denn ›Kunst‹ ist das freiste Ausdrucksmedium.
  4. Die Frei­heit von ›Kunst‹ besteht unter zwei Prä­missen: Ers­tens Selbst­bezug: ›Kunst‹ soll nur um ihrer selbst Willen ent­stehen und soll dahin gehend immer wieder hin­ter­fragt werden. Des­halb kann ›Kunst‹ nie Mittel zum Zweck sein; der allei­nige Zweck von ›Kunst‹ ist, dass sie sich selbst bezweckt. Zwei­tens Frei­wil­lig­keit: Nie­mand soll zur ›Kunst‹ gezwungen werden, ihr Zugang soll immer frei­willig bleiben.
  5. In dem Pro­zess ›Kunst‹ ver­mit­teln sich über Gegen­stände und/​oder Umstände zwi­schen Kunst­schaf­fenden und Rezi­pi­enten Gefühls­lagen und/​oder Denk­pro­zesse. In dem Pro­zess ›Kunst‹ können Denk­pro­zesse und/​oder Gefühls­lagen eines Indi­vi­duums an ein zweites – drittes, viertes, usw. … — Indi­vi­duum ver­mit­telt werden. Sind Kunst­schaf­fende mit den Rezi­pi­enten iden­tisch, so wird zwi­schen den Gefühls­lagen und/​oder Denk­pro­zessen eines Indi­vi­duums zu zwei unter­schied­li­chen Zeit­punkten ver­mit­telt. Das Moment der ›Kunst‹ wird ein­ge­löst durch eine gedank­liche und/​oder emo­tio­nale, höhere Refle­xion des Rezi­pi­enten. Eine gedank­liche, höhere Refle­xion meint eine nicht auf einen Zweck bezo­gene gedank­liche Arbeit jen­seits beste­hender Kon­ven­tionen und Denk­muster. Eine emo­tio­nale, höhere Refle­xion meint das Emp­finden und/​oder die Erkenntnis und/​oder Erin­ne­rung emo­tio­naler Zustände und ihrer per­sön­li­chen Bedeu­tung für den Rezipienten.
  6. Der Pro­zess ›Kunst‹ kann mit dem Denk­pro­zess und/​oder Gefühls­lagen von Kunst­schaf­fenden beginnen [aktiv]. Ereignet sich eine direkte inter­per­so­nale Reak­tion des wahr­neh­menden und reflek­tie­renden Rezi­pi­enten auf die beson­deren Gegen­stände und/​oder beson­deren Umstände, erhält der Ver­mitt­lungs­pro­zess ›Kunst‹ einen dia­lo­gi­schen Cha­rakter [dialogisch-​aktiv]. Dieser Dialog kann über Gegen­stände und/​oder Umstände durch wei­tere Äuße­rungen der Kunst­schaf­fenden fort­ge­setzt werden. Der Pro­zess ›Kunst‹ kann auch in Reak­tion auf äußere Ein­flüsse – mög­lich sind bereits exis­tie­rende Gegen­stände und/​oder bereits andau­ernde Umstände als auch mensch­liche Indi­vi­duen, auf die als spä­tere Rezi­pi­enten abge­zielt wird — erst in Gang gesetzt werden [re-​aktiv]. Durch eine direkte, inter­per­so­nale Reak­tion des wahr­neh­menden und reflek­tie­renden Rezi­pi­enten erhält der Ver­mitt­lungs­pro­zess ›Kunst‹ einen dia­lo­gi­schen Cha­rakter [dialogisch-​reaktiv].
  7. Der dia­lo­gi­sche Cha­rakter von ›Kunst‹ betont, berück­sich­tigt und for­dert die Indi­vi­dua­lität der Ein­zelnen. Denn es ist nicht zwin­gend davon aus­zu­gehen, dass der Gefühls­zu­stand oder Gedanke der Kunst­schaf­fenden, wel­cher den Pro­zess ›Kunst‹ aus­löst, in glei­cher Weise bei Rezi­pi­enten her­vor­ge­rufen wird. Es gilt nur, dass Inten­tionen Kunst­schaf­fender durch Gedanken und/​oder Gefühle bedingt sind und höhere Refle­xion bei Rezi­pi­enten aus­lösen. Andern­falls wäre ›Kunst‹ Mittel zum Zweck einer bereits vorab ein­deutig bestimmten Erkenntnis.

© Nicolas Schröter, 2008

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9 Comments

  1. David
    Erstellt am 1. Dezember 2008 um 11:07 | Permanent-Link

    Viel­leicht können wir auch drüber reden, was einen Kunst­be­griff von einem persönlichen/​politischen Mani­fest („Wir wollen Kunst, die …“) von ner tra­di­tio­nellen Defi­ni­tion von Kunst („Kunst ist …“), von ner kri­ti­schen Beschrei­bung von Kunst in spe­zi­ellen Kon­texten unter­scheidet („In der Kunst gibt es Insti­tu­tionen, die …“).

    Erstmal Danke, dass Du ein so inter­es­santes Feld auf­machst. Muss mich da erst mal rein­denken, bevor ich selbst was dazu schreiben will, freue mich aber sehr auf die hof­fent­lich zahl­rei­chen Beiträge.

  2. Tom
    Erstellt am 1. Dezember 2008 um 15:04 | Permanent-Link

    Etwas kann nicht etwas meinen, nur jemand kann etwas meinen.

  3. Nico
    Erstellt am 6. Dezember 2008 um 22:05 | Permanent-Link

    Lieber Tom,
    MEINER Mei­nung nach meint der Begriff ›Kunst‹ einen Pro­zess, der ein Moment der ›Kunst‹ ein­löst. Durch die Hoch­kom­mata soll deut­lich gemacht werden, dass die Bedeu­tung des Wortes ›Kunst‹ im anschlie­ßenden Teil­satz erör­tert wird.
    So ist das gemeint… ;-)
    gruß

  4. Tom
    Erstellt am 7. Dezember 2008 um 12:25 | Permanent-Link

    Lieber Nicolas,

    Du meinst der Begriff Kunst beinhaltet fol­gende Implikationen/​Prozesse… wie auch immer.

    Es geht nur darum, dass nicht »etwas etwas meinen« kann son­dern »jemand etwas meint«. Dinge oder abs­trakte Begriffe haben keine Meinung.

  5. sebastian löwe
    Erstellt am 10. Dezember 2008 um 13:40 | Permanent-Link

    ich finde den para­grafen IV. nicht akzep­tabel: ich dachte wir wären schon lange über das dogma eines l’art pour l’art hinweg. ich sage nur: die poli­ti­sche, soziale, kom­mer­zi­elle funk­tio­na­li­sie­rung von kunst­pro­duk­tion.
    und ich finde nicos for­mu­lie­rungen auch nicht trenn­scharf genug. wie wäre es mit einer unter­schei­dung von nor­ma­tiven und deskrip­tiven argu­menten, denn der erste teil von para­graf IV. ist nor­mativ (»Kunst soll…«).
    Da muss ich dann auch wider­spre­chen und sagen: kunst soll eben nicht sich selber dienen, son­dern künstler sollen ihre Abhän­gig­keiten reflek­tieren und durchaus auch ver­su­chen dürfen ins poli­ti­sche, soziale, kom­mer­zi­elle ein­zu­greifen und Hal­tungen zu ver­treten, die sich nicht selber bespiegeln.

  6. Nico
    Erstellt am 12. Dezember 2008 um 11:33 | Permanent-Link

    zu Tom:
    Genau! — eine ein­deu­tige Impli­ka­tion des Kunst­be­griffes gibt es aber nicht, weil die Bedeu­tung des Begriffs nicht ein­deutig defi­niert wurde und viel­leicht nicht werden kann. Das ein Ding oder ein abs­trakter Begriff eine Mei­nung hat, habe ich nie behauptet, denn als Autor des Textes, äußere ich mich ja als Jemand, der weder Ding noch Begriff ist, son­dern Person.
    Meinst du nicht, dass es wenig Sinn hat, sich wegen sol­cher Ver­ständ­nis­pro­bleme gegen­seitig auf die Füße zu treten?
    Mich inter­es­siert eigent­lich, ob du in Bezug auf meine Thesen anderer Mei­nung bist?
    Gruß

  7. Nico
    Erstellt am 12. Dezember 2008 um 11:40 | Permanent-Link

    zu David
    (Posted 1. Dezember 2008)
    Was unterscheidet…

    1. einen Kunstbegriff

    2. von einem persönlichen/​politischen Mani­fest
    („Wir wollen Kunst, die …“)

    3. von einer tra­di­tio­nellen Defi­ni­tion von Kunst
    („Kunst ist …“)

    4. von ner kri­ti­schen Beschrei­bung von Kunst in spe­zi­ellen Kon­texten
    („In der Kunst gibt es Insti­tu­tionen, die …“)?

    Wenn ich ver­suche, diese Tren­nung auf­zu­ma­chen, dann han­delt es sich bei meinem KUNSTBEGRIFF um einen Ver­such einer ›tra­di­tio­nellen Definition‹(3.) [s.u.], durch­mischt mit Teil­as­pekten von 2. und 4..
    Die Frage nach 1. und 3. scheint mir doch die­selbe zu sein?

    jetzt erstmal zu 3.:
    nach dem klas­si­schen Ver­ständnis ver­langt eine Defi­ni­tion eines zu defi­nie­renden Begriffs oder auch ›Defi­ni­ni­endum‹ einen bereits fest­ge­legten Begriff oder auch ›Defi­niens‹, von dem das ›Defi­ni­endum‹ durch eine wesent­liche Eigenart oder auch ›dif­fe­rentia spe­ci­ficae‹ unter­schieden werden kann.
    Ein bekanntes Bei­spiel ist das Qua­drat (Defi­ni­endum), defi­niert als Rechteck (defi­niens) mit vier gleich­langen
    Seiten (dif­fe­rentia spe­ci­ficae).
    Das macht die Sache aber nicht leichter: Wie kriege ich ›Kunst‹ dann zu fassen? Ich hab das mal ver­sucht, die Ergeb­nisse sind aber noch unschärfer als mein Text:
    »Kunst als mensch­liche Tätig­keit, die nicht der Zweck-​Mittel Rela­tion unter­liegt.« zum Bei­spiel.
    Eine solche Defi­ni­tion setzt voraus, das es eine ›Inten­sion‹ des Kunst­be­griffs gibt, also ein wesent­li­ches gemein­sames
    Merkmal aller Kunst­werke, das man aber erst kennen muss, um defi­nieren zu können… usw.
    Ein anderer Ansatz wäre, den Weg der Exten­sion des Begriffs zu gehen: Wir müssten dann alle Dinge auf­zählen, die als Kunst­werk bezeichnet werden. Das wäre absurd! Wir würden damit nie fertig werden. Da erscheint es irgend­wann aus­sichtslos und irgendwie völlig sinnlos, Kunst defi­nieren zu wollen.
    Einige Krea­ti­vi­täts­for­scher, z.B. Csiks­zent­mi­hályi (1996)
    und West­meyer (1998) nähern sich dem Phä­nomen ›Krea­ti­vität‹ als einem Wert­ur­teil, dass erst durch bestimmte Ent­schei­dungs­träger in Macht­po­si­tionen bestimmter Felder einem Gegen­stand zuge­spro­chen werden kann. Viel­leicht kann man diesen Gedanken auf ›Kunst‹ übertragen?

  8. Theresa
    Erstellt am 14. Dezember 2008 um 23:12 | Permanent-Link

    Super, dass die Frage zur Dis­kus­sion gestellt wird! (schließ­lich muss sich ja eigent­lich jeder kunst­stu­dent damit mal aus­ein­an­der­setzen und es wird viel zu wenig dar­über gespro­chen) Schade nur, dass die Thesen wenig Neues beinhalten. Ich finde Aus­sagen nach Art von »Kunst kann man nicht defi­nieren« auch recht unbe­frie­di­gend, aber es ver­su­chen sich nun doch schon einige Gene­ra­tionen an einer all­ge­mein­gül­tigen Defi­ni­tion von Kunst und ich glaube kaum, dass ihr Ver­sagen auf Unwis­sen­heit oder Unfä­hig­keit zurück­zu­führen ist. Nicht dass die Sache damit abge­hakt wäre, aber viel­leicht über­legt man mal, ob mit der Frage etwas nicht stimmt… Passen Kunst und Begriff zusammen? Ent­stammt der Begriff nicht einer eher unkünst­le­ri­schen Welt­sicht, mit seinem kate­go­rie­sie­renden, sta­ti­schen, ein­deu­tigen Cha­rakter? Ist des­halb ein Kunst-​begriff nicht schon ein Wider­spruch in sich? Zeigt Kunst in ihrer unend­li­chen For­men­viel­falt nicht, dass sie weniger ein Sam­mel­be­griff für Pro­dukte, son­dern viel­mehr einer für eine Geis­tes­hal­tung ist, die diese Pro­dukte her­vor­bringt? Sollte man nicht, wenn man das Anliegen hat, Kunst zu bestimmen, vor allem dieser Geis­tes­hal­tung, den Grund­lagen ihrer Ent­ste­hung, den Methoden künst­le­ri­scher Wis­sensan­eig­nung nach­gehen? Wäre es des­halb nicht sinn­voller statt nach dem Was/​der Form/​dem Begriff, nach dem Wie zu fragen?
    Wie ent­steht Kunst/​wann wird etwas als Kunst wahrgenommen?

  9. Nico
    Erstellt am 19. Januar 2009 um 16:36 | Permanent-Link

    zu Sebas­tian:
    Den Vor­schlag einer Tren­nung von nor­ma­tiven For­de­rungen und deskrip­tiven Ele­menten finde ich gut.

    Eine Frage, die mir hierzu wichtig ist: »die poli­ti­sche, soziale, kom­mer­zi­elle funk­tio­na­li­sie­rung von kunst­pro­duk­tion« — durch wen wird sie vor­ge­nommen?
    Denn deine abschlie­ßende For­mu­lie­rung sug­ge­riert, dass es auch der Künstler selbst sein kann, der seine Kunst­pro­duk­tion funk­tio­na­li­siert. Eine andere denk­bare Mög­lich­keit wäre, dass erst Dritte diese Kunst­pro­duk­tion funk­tio­na­li­sieren. Ich finde es sehr schwierig, Kunst in ihren Bezügen zu poli­ti­schen und anderen Struk­turen über­haupt zu begreifen, geschweige denn kri­tisch erör­tern zu wollen, ohne in irgend­welche Kli­schees von Markt­kritik usw. zu ver­fallen.
    Den­noch hast du mit deinem Ein­wand sehr Recht:
    Im Alltag erlebt man ja, dass die kul­tu­relle Domäne der Kunst von Macht­struk­turen durch­zogen ist.
    (Poli­ti­sche Dimen­sion), Kunst wird verkauft(Kommerzielle Kom­po­nente) und nicht selten für den Ver­kauf pro­du­ziert.
    Wenn man ver­sucht, die Frage zu klären, was Kunst wesent­lich aus­macht, dann erfüllt Kunst(vor allem anderen!?) eine soziale Funk­tion, denn wer Kunst macht, kommuniziert.

    Doch was folgt aus einer sol­chen Beschrei­bung? Reicht es denn aus, das bloß fest­zu­stellen?
    Der Leit­faden für unser täg­li­ches Han­deln, also auch der Umgang mit unserer künst­le­ri­schen Pro­duk­tion und der Anderer, mithin dem ganzen Kunst­be­trieb richtet sich immer nach Normen (das muss nicht mal eine primär mora­li­sche Kom­po­nente haben:
    z.B. das Ziel, eine bestimmte künst­le­ri­sche Aus­sage über­haupt an ein Publikum zu bringen, oder ein­fach nur mög­lichst schnell Geld zu machen usw.)
    Wonach richtet sich unser Bedürfnis, über­haupt künst­le­risch tätig werden zu wollen? Eine Anre­gung zu meinem Text war, die Spiel­theorie mit in die Defi­ni­tion zu invol­vieren:
    Wird Kunst viel­leicht als (wert­freies) Spiel betrieben?
    Ich glaube, dass hier auf deskrip­tive Argu­mente auch nor­ma­tive folgen müssen, weil sonst alles so beliebig bleibt.
    Ich frage mich, welche? Und obwohl der Para­graph IV viel­leicht ziem­lich streng klingt, ist meine Vor­stel­lung ist nicht die einer Kunst, die sich aus­schließ­lich »selbst bespie­gelt« oder sogar die Rück­kehr zum »Dogma des l’art pour l’art«. Die beiden von mir erwähnten Punkte (nicht Mittel zum Zweck zu sein und Frei­willig zu bleiben) sind (vor­erst)
    mein Vor­schlag zum Selbst­ver­ständnis von Kunst. (Ich bin der Mei­nung, wer Kunst macht, um eine poli­ti­sche Wen­dung her­bei­zu­führen, dann auch in die Politik gehen sollte. Ich zweifle auch sehr stark daran, ob es richtig ist, abderen Kunst auf­zu­drängen, z.B. in Form öffent­li­cher Per­for­mances.)
    Viel­leicht muss man ich meine Aus­füh­rung im Para­graph IV aber auch aus­dif­fe­ren­zieren und bei­spiels­weise zulassen, dass Kunst, obwohl nicht primär auf eine poli­ti­sche Wendng aus­ge­richtet, eine solche doch beein­flussen kann?

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