Das Fach „Mediale Darstellung“ wurde mit folgenden Begründungen abgeschafft:
1. Laut Fachbereichsrat gäbe es nicht genug Nachfrage für die Kurse Indesign und Photoshop, die Frau Gutzer und Frau Koschine bis dato im ersten und zweiten Semester unterrichteten, denn viele Studenten hätten bereits Vorkenntnisse in diesen Programmen.
Trügt mich meine Erinnerung und waren die Kurse zu meinen Zeiten (vor zwei Jahren) nicht grundsätzlich überfüllt? Musste ich mich in den Übungsstunden nicht um einen PC-Platz im Medienzentrum streiten?
2. Der Kursplan sei zu voll. Nun habe man ein wenig Spielraum, nachdem das am leichtesten zu entbehrende Fach aus dem Lehrangebot entfernt wurde. Spätestens wenn die Grundlagenprofessoren in Zukunft von den Erstsemestern erwarten, für eine Präsentation Bild und Text mit Indesign gestalterisch zu vereinen, werden wohl vor allem die, die nicht KD oder MM|VR studieren, ein wenig benachteiligt sein.
Doch wer nun denkt, dass die Hochschule tatenlos zusieht, wie sich die frisch gebackenen Abiturienten mit Programmen herumschlagen, die im Laufe des Studiums am häufigsten zur Anwendung kommen und die in jedem Designberuf noch vor Alias und Vektorworks als grundlegende Voraussetzung gelten, der hat sich getäuscht! Nachdem das Fach aus dem Lehrplan gestrichen wurde, wird nun darüber diskutiert, ob und wie man das fehlende Wissen außerhalb der Vorlesungszeit an den Studenten bringen kann. Ausweichmöglichkeiten bestehen also noch keine und so müssen die Grundlagenprofessoren bis zum zweiten Semester der Neuen auf fein gelayoutete Präsentationen verzichten.
Stattdessen wird ebenfalls diskutiert, ob Grundkenntnisse in den genannten Programmen für eine Bewerbung an unserer Hochschule vorausgesetzt werden sollen, und zwar für alle Fachbereiche. Parallel dazu hört man von dem Dilemma, dass die Bewerberzahlen der Hochschule immer weiter abnehmen, und dass die Vorpraktikumszeit von früher neun auf nunmehr drei Pflichtmonate herabgesetzt wurde.
Nachdem wir und übrigens auch die betroffenen Lehrkräfte vor vollendete Tatsachen gestellt wurden, kommt nun ein „Notfallplan“ in Gang. Dieser beinhaltet, dass sich Studierende des Fachbereichs MM|VR-Design für einen Crash-Kurs in den Semesterferien zur Verfügung gestellt haben. Nähere Informationen bekommt Ihr vom Stura. Bis dahin gibt es ebenfalls vom Stura eine Liste mit Personen, die einen Telefonsupport zu allen Programmen anbieten und zusätzlich einige wenige CDs mit Tutorials. Personen, die sich mit ihrem Wissen und ihrer Unterstützung an diesem Notfallplan beteiligen möchten, seien ebenfalls angehalten, sich mit dem Stura in Verbindung zu setzten. Eine weitere Möglichkeit wäre, dass Studenten mit Programmerfahrung einen Kurs im Rahmen der AG X-Sache anbieten könnten. Einzelheiten hierzu müssen mit Prof. Michel geklärt werden.
Für die Zukunft hoffen wir als Studenten, dass unsere Meinungen und Erfahrungen bei einer solch wichtigen Entscheidung miteinbezogen und zumindest rechtzeitig über Ersatz für ein abgeschafftes Fach nachgedacht wird, beispielsweise in Form eines Wahlpflichtkurses.
Text: Josephine Schulte
Illustration: Wolfgang Schwärzler

3 Comments
sehr schöne überschrift, christoph. schön wärs, wenn rückgängig zu machen…
=)
mhhh … klingt ja alles recht finster, wobei ich der festen überzeugung bin, das die von studenten gehaltenen kurse dem ganzen qualitativ gut tun werden.
wie kann denn der lehrplan von den wichtigsten disziplienen befreit werden? ohne diese kurse koennten z.b. farbe licht raum und interaktives gestalten ihre endpraesentation (plakate) oder allgemeine bearbeitung schonmal voll vergessen. was soll man sich denn alles noch vorher beibringen? wozu brauche ich denn dann das tolle studium an der burg noch? ich hoffe das die verantwortliche mal ein bisschen mehr an die studenten denken und nich gelder kuerzen kann um tolle gebaeude zu bauen die dann doch eher unangnehm sind. danke.
Ein Trackback
[…] Das eigentlich Ziel der Umstellung auf den Bachelor war ein „kürzeres, stärker verschultes Studium mit höherem Praxisbezug“. Dazu passte, dass wir am Anfang des Studiums eine Punkte-Tabelle bekamen, die uns stundengenau vorschrieb, wie wir unser Studium „frei“ gestalten könnten. Jedoch mussten wir neben allen Pflicht-Fächern auch fast alle Wahl-Fächer belegen, um auf die Mindest-Punktzahl zu kommen. Im Grundstudium machten wir also in unseren Wahlwochen eigentlich alle das Selbe. So kann man über die beibehaltene Grundlagenausbildung geteilter Meinung sein. Die einen schätzen es, dass sie zu Generalisten ausgebildet werden und traditionelle Techniken lernen, die anderen langweilen sich in Kursen, die kaum oder nur wenig zu ihrem gewählten Studiengang passen. Am Ende haben sie zwar in jedes Thema reingeschnuppert, aber können nichts wirklich gut. Die wichtige Grundlagenausbildung für die Standard-Computer-Design-Programme, die nach eigenen Erfahrungen nur 50 % meiner Kommilitonen vor dem Studidum beherrschten, gibt es seit diesem Semester hingegen nicht mehr. […]