Sechs Monate Design Academy Eindhoven

mario_in_eindhoven

Dass ich unbe­dingt ein Aus­lands­se­mester machen will, war mir schon von Beginn des Stu­diums an klar. Als ide­elle »Mutter« von Dutch-​Design (z. B. Droog Design) ist die Design Aca­demy in stän­diger Balance zwi­schen Kunst und Design und schafft so einen Raum für Stu­denten, nicht nur Lösungen zu finden, son­dern auch Werte neu zu defi­nieren, das Ide­elle im Design zu ver­folgen und dazu zu zwingen, Stel­lung zu beziehen.
Das wollte ich erleben, aber auch dif­fe­ren­ziert betrachten können, ich musste also dort hin …

Meine Zeit an der Design Aca­demy Eind­hoven (09.08 – 02.09) war sehr intensiv, sehr pro­duktiv und Hori­zont erwei­ternd.
Die DAE ist eine sehr gute Schule mit einem breiten Angebot an Ver­an­stal­tungen; leider ist es den Stu­denten nicht mög­lich, das gesamte Angebot aus­zu­schöpfen, denn der zeit­liche Druck ist sehr hoch. Man ist gezwungen, jede Sekunde Desi­gner zu sein und immer sehr schnell und effektiv kreativ zu arbeiten. Dass man jedoch dabei kaum Zeit, hat mal eine Nacht über eine Sache zu schlafen, führt dabei schnell zum »Ver­irren«, wenn man nicht auf Anhieb die rich­tigen Ent­schei­dungen trifft.

Ich habe viele Stu­denten erlebt, die schon so aus­ge­brannt waren, dass sie völlig ver­gessen haben wer sie sind, was sie defi­niert und warum sie das eigent­lich machen. Die Schule legt einen sehr großen Wert auf das Kon­zept, und die aus­schließ­lich aus der Praxis kom­menden Dozenten (alle Desi­gner und Künstler mit eigenen Stu­dios) haben ein sehr gutes Gespür für die Stärken und Schwä­chen einer Arbeit. Das hat zur Folge, dass die DAE sehr markt­ori­en­tiert ist; die Span­nungen, die aus dem Spagat zwi­schen dem Ide­al­bild des freien Desi­gners und der Markt­fä­hig­keit seiner Pro­dukte ent­stehen, sind deut­lich zu spüren und for­dern von den Stu­denten Kon­se­quenz in allen ihren Entscheidungen.

Trotz dieser Pra­xis­nähe fehlte mir etwas der Anspruch an die Umsetz­bar­keit eines Kon­zeptes, also der Touch von Inge­nieur der sicher­stellt, dass das Erdachte auch so Rea­lität werden kann; da die DAE die Grenze zwi­schen Kunst und Design jedoch gern ver­wischt, und diesen Anspruch nicht stellt, ist es dem Stu­denten über­lassen sich damit aus­ein­ander zu setzen – oder eben auch nicht.

Real­ti­vie­rend muss ich aber auch sagen, was kann man nach 6 Monaten schon von soeiner Schule wissen? An der Ober­fläche hat man jetzt mal gekratzt, gesehen was drunter ist hat man auch ab und zu, aber was drin ist … bleibt nach so einer Zeit nur zu erahnen.

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3 Comments

  1. Erstellt am 28. Mai 2009 um 13:09 | Permanent-Link

    Habe auch schonmal über­legt in den Nie­der­landen ein Aus­lands­se­mester zu machen. Aber genau wie es du schon in deinem Bericht andeu­test, ist ein Semester, bzw. ein halbes Jahr nicht gerade viel — 2 – 3 Semester wären da sicher­lich sinn­voller, sofern man sie auch irgendwie anrechnen lassen kann.

  2. Fee
    Erstellt am 12. Juni 2009 um 18:46 | Permanent-Link

    Hi,

    das klingt doch eigent­lich nach einer guten Erfah­rung. Danke, dass du beschrieben hast, wie es da »zugeht«. Findet man selten im Internet.
    Ich möchte da nächstes Jahr anfangen zu stu­dieren. Und hoffe,dass ich den Ansprü­chen gerecht werde.
    Was genau hast du denn alles für Bereiche gesehen? Warst du zur selben Zeit da, wie die Dutch Design Week?

    lg Fee

  3. Mario
    Erstellt am 18. Juni 2009 um 12:03 | Permanent-Link

    ich war im letzten win­ter­se­mester da, hab die dutch design week also auch in allen ihren facetten mit erlebt und teil­weise auch mit bestritten. mein ein­druck –ganz ehr­lich — dutch design zeichnet sich eher durch einen »melting pot« ver­schie­denster natio­na­li­täten und kul­tu­reller ansätze aus, als durch eine spe­zi­elle hol­län­di­sche art und weise. ich denke die ver­mi­schung, »inter­na­tio­na­lität« macht es aus, zusammen mit dem hang sich in der grau­zone zwi­schen kunst und design zu bewegen. dutch design dis­ku­tiert mehr die pro­bleme, stellt sie dar, ohne immer die lösung zu suchen.

    ich hab mobi­lity und living belegt, sehr kon­trär dadurch sehr abwechs­lungs­reich, sowas ist aber nur exchange-​students »erlaubt«. Alle anderen berei­chen hab ich natür­lich gesehen und teil­weise durch freunde tiefer ein­sehen können, trotzdem bin ich mir nicht wirk­lich im klaren worum es z. B. in »men and les­sure« geht …

    vg Mario

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