Willkommen im Teufelskreis

Einige pro­tes­tieren, aber wofür eigent­lich und warum nur einige? Hier ein paar Anregungen:

  1. Wäre es nicht schön, wenn der Stura wirk­lich etwas zu sagen hätte und sich nicht nur den Kopf dar­über zer­bricht, wie man sich selbst am Leben erhält. Die Wenigsten lassen sich im ersten Jahr in den StuRa wählen, selbst im zweiten fühlen sich die meisten noch zu unsi­cher dafür. Die Desi­gner haben meis­tens keine Zeit für die Sit­zungen und die Künstler kein Inter­esse, und anders­herum. Und wenn doch, dann geht der Stu­dent oder die Stu­dentin schon nächstes Jahr ins Aus­land oder macht nach vier Jahren frist­ge­recht seinen Bachelor und ver­lässt die Schule.
  2. Wäre es nicht auch schön, wenn die Stu­denten all­ge­mein mehr Mit­be­stim­mungs­recht hätten? Zum Bei­spiel dar­über ent­scheiden dürften, wel­cher Pro­fessor neu berufen wird und wel­cher nicht. Und ich denke jetzt nicht an die zwei Stu­denten, die von den alt-​eingessenen Pro­fes­soren aus­ge­sucht und zur Beob­achterBerater-​perspektive ver­dammt werden. Man darf zwar mit abstimmen, hat aber eigent­lich keine Chance irgend­etwas zu bewegen, weil zu wenig Stimm­recht. (zur Erin­ne­rung: an der Burg sind über 1000 Stu­denten imma­tri­ku­liert und wir haben ca. 50 Pro­fes­soren).
    So gab es an der HGB-​Leipzig mächtig viel Ärger darum, wer Neo Rauchs Nach­folger werden sollte. Sollte es der angeb­liche gute Freund vom Direktor sein oder der von Herrn Rauch vor­ge­schla­gende Maler? Oder, was ganz und gar abwegig erscheint, sollte der­je­nige der neue Pro­fessor werden, der von den Men­schen favo­ri­siert wird, die später mit ihm arbeiten? Also den Stu­denten?
    Von der Bauhaus-​Uni Weimar, an dem es zum Bei­spiel seit Jahren über­haupt keine Gra­fik­de­sign­pro­fessur gibt, braucht man wahr­schein­lich gar­nicht erst anzufangen.
  3. Wäre es nicht auch besser, wenn man wirk­lich die Kurse wählen könnte, die man wollte? Und die Frei­heit nicht darin bestehen würde, so gut wie alles exakt einmal zu belegen? Bezie­hungs­weise, dass sich Pro­fes­soren bei zu vollen Kursen die Stu­denten aussuchen?
  4. Viel­leicht wäre es inter­es­sant, dass nicht Pro­fes­soren andere Stu­denten für Sti­pen­dien, wie die Stu­di­en­stif­tung des deut­schen Volkes, vor­schlagen dürfen, son­dern auch diese Vor­schläge basis­de­mo­kra­tisch zu Stande kommen?
  5. Letz­lich wäre es doch unheim­lich wichtig, wenn am Ende jedes absol­vierten Semes­ters Zeit für Feed­back ein­ge­plant würde. Feed­back, das Stu­denten und Lehrer anonym und/​oder in kleinen Gruppen sich gegen­seitig geben können.

Aber viel­leicht ist das alles zu viel ver­langt? Viel­leicht können wir uns keine wirk­liche Demo­kratie und Dis­kus­sion an der Uni leisten? Denn das würde zuviel Zeit kosten und davon haben wir spä­tes­tens seit der Ein­füh­rung des Bache­lors keine mehr.

Was denkt ihr? Was ist von den oben genannten Ideen umsetzbar, was hat Prio­rität, was fehlt? Wie kann man die Stu­denten, die sich jetzt noch nicht enga­gieren, mit an den Tisch bekommen? Ist die Moti­va­tion nur des­wegen so klein, weil bis­lang keine wirk­lich »stu­den­ti­schen« Ent­schei­dungen zu Stande gekommen sind?

Hin­ter­grund­infos:

PS: Es wäre schön, wenn ihr schon nicht mit­streikt, dass ihr wenigs­tens hier die Chance zum kon­struk­tiven Kom­men­tieren nutzt :)

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One Comment

  1. Julius
    Erstellt am 18. November 2009 um 17:14 | Permanent-Link

    Ich denke 1. beschränkt ja irgendwie 2. Wenn man neu ist, traut man sich nicht und später ist die Zeit nicht mehr da. Letz­teres muss aller­dings nicht am bösen Stu­di­en­system liegen, son­dern schlicht am Inter­esse (und das ist sicher nicht nur bei Künst­lern so). Sicher sollten Stu­die­rende mehr ein­be­zogen werden, aber letzt­end­lich sind es doch Pro­fes­soren, die weitaus länger mit Ent­schei­dungen klar kommen müssen, als die Stu­die­renden und im Zwei­fels­fall wohl auch mehr Ahnung und Erfah­rung haben. Ich glaube zumin­dest nicht, dass man sich vor­ma­chen sollte, dass man das besser kann. Das es Vet­tern­wirt­schaft gibt, halte ich natür­lich auch für äußerst pro­ble­ma­tisch und es ist auch gut wenn dies in die Öffent­lich­keit kommt. Ich glaube in Öster­reich ist es so, dass neue Stellen nicht durch den­je­nigen besetzt werden, der Leiter des ent­spre­chenden Bereichs ist (also der Prof darf nicht ent­scheiden, wer Stellen an seinem Lehr­stuhl bekommt). Das hätte zwar in Leipzig auch nicht geholfen, aber ich finde es ein grund­sätz­lich gutes Modell.
    Bezüg­lich 3,4 und 5 denke ich, dass es viel zu wenig bekannt ist, dass dies alles Dinge sind, die man an der eigenen Hoch­schule und oft am eigenen Institut/​Fachbereich klären kann. Wenn sich eine Horde von Leuten beharr­lich für mehr Mit­be­stim­mung bei der Ver­gabe von Sti­pen­dien, der Kurs­wahl und Gestal­tung der Semes­ter­pläne ein­setzen würde, wären viel­leicht klei­nere Ver­än­de­rungen drin. Man muss es nur halt machen und da beginnt das Pro­blem.
    BG

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  1. […] und noch einer auf brug: Will­kommen im Teu­fels­kreis This entry was written by admin, posted on 17. November 2009 at 18:37, filed under Allgemein. […]

  2. Von Links rund um den Protest | hastuzeit am 18. November 2009 um 11:29

    […] Bei Brug (Blog für die Hoch­schule für Kunst und Design) wird etwas spe­zi­eller auf die Bedürf­nisse der Kunst– und Design­stu­die­renden ein­ge­gangen und mehr Teil­habe gefor­dert. Denn “Wäre es nicht schön, wenn der Stura wirk­lich etwas zu sagen hätte …” Link: Will­kommen im Teu­fels­kreis auf brug​-halle​.de […]

  3. […] und noch einer auf brug: Will­kommen im Teu­fels­kreis This entry was written by admin, posted on 13. Dezember 2009 at 20:24, filed under Allgemein. […]

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