Einige protestieren, aber wofür eigentlich und warum nur einige? Hier ein paar Anregungen:
- Wäre es nicht schön, wenn der Stura wirklich etwas zu sagen hätte und sich nicht nur den Kopf darüber zerbricht, wie man sich selbst am Leben erhält. Die Wenigsten lassen sich im ersten Jahr in den StuRa wählen, selbst im zweiten fühlen sich die meisten noch zu unsicher dafür. Die Designer haben meistens keine Zeit für die Sitzungen und die Künstler kein Interesse, und andersherum. Und wenn doch, dann geht der Student oder die Studentin schon nächstes Jahr ins Ausland oder macht nach vier Jahren fristgerecht seinen Bachelor und verlässt die Schule.
- Wäre es nicht auch schön, wenn die Studenten allgemein mehr Mitbestimmungsrecht hätten? Zum Beispiel darüber entscheiden dürften, welcher Professor neu berufen wird und welcher nicht. Und ich denke jetzt nicht an die zwei Studenten, die von den alt-eingessenen Professoren ausgesucht und zur
BeobachterBerater-perspektive verdammt werden. Man darf zwar mit abstimmen, hat aber eigentlich keine Chance irgendetwas zu bewegen, weil zu wenig Stimmrecht. (zur Erinnerung: an der Burg sind über 1000 Studenten immatrikuliert und wir haben ca. 50 Professoren).
So gab es an der HGB-Leipzig mächtig viel Ärger darum, wer Neo Rauchs Nachfolger werden sollte. Sollte es der angebliche gute Freund vom Direktor sein oder der von Herrn Rauch vorgeschlagende Maler? Oder, was ganz und gar abwegig erscheint, sollte derjenige der neue Professor werden, der von den Menschen favorisiert wird, die später mit ihm arbeiten? Also den Studenten?
Von der Bauhaus-Uni Weimar, an dem es zum Beispiel seit Jahren überhaupt keine Grafikdesignprofessur gibt, braucht man wahrscheinlich garnicht erst anzufangen. - Wäre es nicht auch besser, wenn man wirklich die Kurse wählen könnte, die man wollte? Und die Freiheit nicht darin bestehen würde, so gut wie alles exakt einmal zu belegen? Beziehungsweise, dass sich Professoren bei zu vollen Kursen die Studenten aussuchen?
- Vielleicht wäre es interessant, dass nicht Professoren andere Studenten für Stipendien, wie die Studienstiftung des deutschen Volkes, vorschlagen dürfen, sondern auch diese Vorschläge basisdemokratisch zu Stande kommen?
- Letzlich wäre es doch unheimlich wichtig, wenn am Ende jedes absolvierten Semesters Zeit für Feedback eingeplant würde. Feedback, das Studenten und Lehrer anonym und/oder in kleinen Gruppen sich gegenseitig geben können.
Aber vielleicht ist das alles zu viel verlangt? Vielleicht können wir uns keine wirkliche Demokratie und Diskussion an der Uni leisten? Denn das würde zuviel Zeit kosten und davon haben wir spätestens seit der Einführung des Bachelors keine mehr.
Was denkt ihr? Was ist von den oben genannten Ideen umsetzbar, was hat Priorität, was fehlt? Wie kann man die Studenten, die sich jetzt noch nicht engagieren, mit an den Tisch bekommen? Ist die Motivation nur deswegen so klein, weil bislang keine wirklich »studentischen« Entscheidungen zu Stande gekommen sind?
Hintergrundinfos:
- Spiegel-Online: Studenten rebellieren gegen Bildungschaos
- Spreeblick: Studentische Mitbestimmung – ein Weg aus der Bildungskrise
- Hastuzeit: Brennt die Uni Halle bald? – Zur Vollversammlung am 18. November werden die Studierenden entscheiden, ob auch in Halle besetzt wird.
PS: Es wäre schön, wenn ihr schon nicht mitstreikt, dass ihr wenigstens hier die Chance zum konstruktiven Kommentieren nutzt :)
One Comment
Ich denke 1. beschränkt ja irgendwie 2. Wenn man neu ist, traut man sich nicht und später ist die Zeit nicht mehr da. Letzteres muss allerdings nicht am bösen Studiensystem liegen, sondern schlicht am Interesse (und das ist sicher nicht nur bei Künstlern so). Sicher sollten Studierende mehr einbezogen werden, aber letztendlich sind es doch Professoren, die weitaus länger mit Entscheidungen klar kommen müssen, als die Studierenden und im Zweifelsfall wohl auch mehr Ahnung und Erfahrung haben. Ich glaube zumindest nicht, dass man sich vormachen sollte, dass man das besser kann. Das es Vetternwirtschaft gibt, halte ich natürlich auch für äußerst problematisch und es ist auch gut wenn dies in die Öffentlichkeit kommt. Ich glaube in Österreich ist es so, dass neue Stellen nicht durch denjenigen besetzt werden, der Leiter des entsprechenden Bereichs ist (also der Prof darf nicht entscheiden, wer Stellen an seinem Lehrstuhl bekommt). Das hätte zwar in Leipzig auch nicht geholfen, aber ich finde es ein grundsätzlich gutes Modell.
Bezüglich 3,4 und 5 denke ich, dass es viel zu wenig bekannt ist, dass dies alles Dinge sind, die man an der eigenen Hochschule und oft am eigenen Institut/Fachbereich klären kann. Wenn sich eine Horde von Leuten beharrlich für mehr Mitbestimmung bei der Vergabe von Stipendien, der Kurswahl und Gestaltung der Semesterpläne einsetzen würde, wären vielleicht kleinere Veränderungen drin. Man muss es nur halt machen und da beginnt das Problem.
BG
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[…] und noch einer auf brug: Willkommen im Teufelskreis This entry was written by admin, posted on 17. November 2009 at 18:37, filed under Allgemein. […]
[…] Bei Brug (Blog für die Hochschule für Kunst und Design) wird etwas spezieller auf die Bedürfnisse der Kunst– und Designstudierenden eingegangen und mehr Teilhabe gefordert. Denn “Wäre es nicht schön, wenn der Stura wirklich etwas zu sagen hätte …” Link: Willkommen im Teufelskreis auf brug-halle.de […]
[…] und noch einer auf brug: Willkommen im Teufelskreis This entry was written by admin, posted on 13. Dezember 2009 at 20:24, filed under Allgemein. […]